Presse

/Presse
Presse 2019-08-08T15:26:14+02:00

20. Mai 2019

Problembewusstsein ist vorhanden

Stadt Osterode lud zur Diskussion über Herausforderungen des Klimawandels ein.
Von Ralf Gießler

Osterode. Am Wochenende war eine dreiköpfige Delegation aus Kaolack im Senegal unter Führung von Baba Ndiaye zu Gast in Osterode. Ndiaye nimmt in Kaolack eine Position ein, die in Deutschland mit einem Landrat vergleichbar ist. Bereits im Vorfeld des Besuchs fand ein Auftaktworkshop für die Kommunale Klimapartnerschaft in Münster statt, an dem unter anderem auch Osterodes Bürgermeister Klaus Becker und der Erste Stadtrat Thomas Christiansen teilnahmen (wir berichteten).

Am Freitag stand eine öffentliche Diskussion im Osteroder Ratssaal auf dem Programm. Thema des Abends waren die „Herausforderungen unserer Zeit im Hinblick auf den Klimawandel und seine Folgen“. Moderator Robert Koch begrüßte auf dem Podium Marie Armbrecht, ehemalige Schülerin des Tilman-Riemenschneider-Gymnasiums und Praktikantin am Goethe-Institut in Kaolack, Matthias Stach, unter anderem TV-Kommentator, Moderator für Weltklassesport und Mitglied des Stiftungsrats der Elhadj Diouf Foundation, Baba Ndiaye sowie Bürgermeister Klaus Becker. Als Übersetzer fungierte Mathieu Masselot.

Zu Beginn stellte Becker nochmals das „Osteroder Modell“ kurz vor. Es umfasst drei Säulen – die ersten
beiden sind die Partnerschaft vom TR-Gymnasium sowie die Städtefreundschaft mit Kaolack. Als dritte Säule ist die Elhadj Diouf Stiftung zu nennen. Was die Aktivitäten der Schule, der Städtefreundschaft und Stiftung anbelangt, könne er feststellen: „Die Sache flutscht einfach.“ Bevor das eigentliche Programm begann, bedankte er sich bei Vertretern des Lions Club, die einen vierstelligen Betrag für die Stiftung übergaben.

Die erste Frage, die Moderator Koch stellte, war, ob man in Kaolack und Osterode konkrete Auswirkungen des Klimawandels spüren könne. Becker erinnerte an die Trockenheit 2018, bei der erstmalig in Düna ein Tankwagen zum Einsatz kam und an die leeren Talsperren im Harz: „Der Klimawandel ist bei uns angekommen.“ Baba Ndiaye fügte hinzu, dass es ein Kampf sei, den wir gemeinsam führen werden. „Wir haben bei uns mit Bodenerosion und einer Ausdehnung der Wüste zu kämpfen.“ Dies führe zu Problemen, die eine große Herausforderung seien und „die wir nicht allein meistern können“.

Massenhafter Plastikmüll

Ein weiterer Aspekt, der erörtert
wurde, war der massenhafte Plastikmüll im Senegal. Marie Armbrecht bemerkte, dass ein Problembewusstsein vor Ort schon vorhanden sei. Allein es fehlt noch an Möglichkeiten, die Müllflut einzudämmen. Matthias Stach fügte hinzu: „Unsere Vorstellung ist es, schon ganz früh anzufangen. Die Jugend ist daher sehr wichtig. Mein Traum ist es, dass ein Kind dem Vater einmal sagt ‘Lass das mal mit dem Plastik wegschmeißen’.“ Robert Koch warf in Anspielung auf die Freitagsdemonstrationen von Schülern für eine bessere Klimapolitik die Frage in den Raum, ob es einen Aufstand der Jugend brauche, um etwas zu bewegen. Stach unterstrich, dass die Jugend im Senegal generell etwas tun möchte, auch in anderen Bereichen. Baba Ndiaye ergänzte, dass in seiner Heimat etwa Bürgerferien eingeführt wurden, in denen Schüler einen Beitrag zur Aufforstung leisten können. „Das Osteroder Modell wollen wir nach Kaolack überführen.“

Mit Blick auf die Jugend sagte er, dass es ein Problem sei, dass nicht alle Kinder im Senegal zur Schule gingen. „Wir haben zwar einen Zentralstaat, aber die Kommunen haben mehr Kompetenzen bekommen, um etwas tun zu können.“ Den Austausch zwischen Osterode und Kaolack sehe er als enorme Chance.

Die Frage, was Projekte wie die der EDF bewirken können, und ob sie nicht nur ein Tropfen auf dem heißen Stein seien, ließ Matthias Stach so nicht gelten: „Wichtig ist, dass wir angefangen haben etwas zu machen, ich glaube ganz fest an die Jugend. Und selbst ein Tropfen kann ganz schnell sehr groß werden.“ Ndiaye meinte zustimmend: „Ich begrüße das Engagement von jedem einzelnen Menschen. Wenn alle mitmachen, können wir viel erreichen.“

Klaus Becker zeigte sich mit dem Verlauf der Veranstaltung zufrieden und versicherte, dass auch zukünftig das „Osteroder Modell“ mit all seinen Facetten fortgeführt werden wird. Tobias Rusteberg, Oberstudienrat am TR-Gymnasium und sozusagen Gründer der Beziehungen zwischen Osterode und Kaolack, sagte abschließend: „Eine Welt von morgen beginnt heute. Jeder kann einen Beitrag leisten. Unser besonderer Fokus gilt der Jugend. Deutsch-senegalesische Junior-Botschafter bilden das Herzstück der Brücke zwischen Osterode und Kaolack. Genau wie es unser Namensgeber der Stiftung, Elhadj Diouf, gesagt hat: Wer die Jugend erreicht, erreicht viel. Die Diskussionsrunde hat gezeigt, dass Osterode hinsichtlich der Einen Welt auf genau dem richtigen Weg ist, nämlich um Berge voraus.“

Aus: Harz-Kurier, Tageszeitung im Landkreis Göttingen, Ausgabe vom 20. Mai 2019, Text und Foto: Ralf Gießler.